Milos Raonic
kanadischer Tennisspieler
Milos Raonic (montenegrinisch: Милош Раонић bzw. Miloš Raonić; * 27. Dezember 1990 in Titograd, SR Montenegro, SFR Jugoslawien) ist ein ehemaliger kanadischer Tennisspieler.
Leben und Karriere
Werdegang und erste Erfolge als Junior
Milos Raonic zog 1994 mit drei Jahren zusammen mit seinen Eltern von Montenegro nach Kanada. Mit acht Jahren begann er Tennis zu spielen, er trainierte zunächst aus Kostengründen meist frühmorgens oder spätabends mit einer Ballmaschine. Im Alter von zwölf Jahren nahm er in Kanada erstmals an einem internationalen Juniorenturnier teil. In den Jahren 2006 und 2007 gewann er mehrere Turniere und erreichte im Oktober 2008 mit Rang 35 seine beste Platzierung in der Junioren-Weltrangliste.
2007 bis 2009: Future-Turniere und erstes ATP-Turnier
Ab 2007 nahm Raonic an Future-Turnieren der ITF teil, seitdem wird er in der Weltrangliste geführt. Im März 2008 stand er erstmals in einem Finale und im März 2009 gewann er seinen ersten Titel. Im selben Jahr erreichte er noch zwei weitere Endspiele, von denen er eines gewinnen konnte. Zudem qualifizierte er sich im August 2009 beim Masters-Turnier in Montreal durch Siege über den Top-100-Spieler Teimuras Gabaschwili sowie über Michaël Llodra erstmals für ein ATP-Turnier. In der ersten Hauptrunde hatte er gegen den Top-10-Spieler Fernando González im Tie-Break des zweiten Satzes einen Matchball, verlor die Partie aber dann doch in drei Sätzen. Durch seine Erfolge stieß Raonic im Ranking unter die besten 400 vor.
2010: Etablierung auf der Challenger Tour und erste ATP-Siege
Im März 2010 trat er im Davis Cup gegen Kolumbien erstmals für Kanada an. Er verlor beide Einzelpartien, konnte jedoch an der Seite von Daniel Nestor das Doppel gewinnen. In den folgenden Wochen erreichte Raonic drei Future-Endspiele und gewann dabei zwei Titel. Im Juli 2010 stand er in Granby zum ersten Mal in einem Challenger-Finale, in dem er dem topgesetzten Tobias Kamke in zwei Sätzen unterlag. Zwei Wochen später scheiterte er beim Kanada Masters in Toronto mit einer Wildcard in der ersten Runde in zwei Sätzen an Victor Hănescu. Allerdings konnte er mit seinem Landsmann Vasek Pospisil im Doppel auf sich aufmerksam machen, als sie Rafael Nadal und Novak Đoković, die zu diesem Zeitpunkt die Plätze 1 und 2 der Einzel-Weltrangliste belegten, in drei Sätzen besiegten. Anschließend qualifizierte sich Raonic bei den US Open auf Anhieb für sein erstes Grand-Slam-Turnier. In der ersten Hauptrunde scheiterte er aber in vier Sätzen an Carsten Ball. Im Oktober 2010 konnte Raonic als Qualifikant in Kuala Lumpur gegen Igor Kunizyn seinen ersten Sieg bei einem ATP-Turnier feiern. Es folgte ein Sieg über den Top-40-Spieler Serhij Stachowskyj, bevor er im Viertelfinale Igor Andrejew in drei Sätzen unterlag. In der folgenden Woche gelang ihm in Tokio erneut die Qualifikation für ein ATP-Turnier; wieder konnte er in der ersten Hauptrunde mit Florent Serra einen Top-100-Spieler besiegen, bevor er in zwei knappen Sätzen am Weltranglistenersten Nadal scheiterte. Durch diese Erfolge verbesserte er sich in der Weltrangliste auf Platz 155.
2011: Durchbruch bei den Australian Open, erster ATP-Titel und Verletzungssorgen
Das Jahr 2011 begann für Raonic mit der erfolgreichen Qualifikation bei den Australian Open. In der ersten Hauptrunde gewann er in drei Sätzen gegen Björn Phau sein erstes Grand-Slam-Match. Auch in der zweiten und dritten Runde war er siegreich, er schaltete dabei mit Michaël Llodra sowie dem Top-10-Spieler Michail Juschny zwei gesetzte Spieler aus. Im Achtelfinale gegen den an Position 7 gesetzten späteren Halbfinalisten David Ferrer endete seine Siegesserie. Dennoch zog er damit erstmals in die Top 100 der Weltrangliste ein. Nach einer Zweitrundenniederlage beim ATP-Turnier in Johannesburg bezwang Raonic beim ATP-Turnier in San José mit Xavier Malisse einen weiteren Top-50-Spieler. Er setzte sich auch gegen den ehemaligen Weltranglistenvierten James Blake sowie gegen Ričardas Berankis durch. Da sein nächster Gegner Gaël Monfils wegen einer Handgelenkverletzung nicht antreten konnte, erreichte Raonic kampflos das Finale. Dort besiegte er in einem engen Zweisatzmatch ohne ein einziges Break den an 1 gesetzten Titelverteidiger Fernando Verdasco und gewann seinen ersten ATP-Titel. Nur drei Tage nach dem Triumph traf er in der ersten Runde des ATP-Turniers von Memphis mit einer Wildcard erneut auf Verdasco – und wieder behielt Raonic in einem knappen Dreisatzmatch die Oberhand. Nach weiteren Dreisatzsiegen über Radek Štěpánek, Robert Kendrick sowie den an Position 4 gesetzten Mardy Fish erreichte er abermals das Finale, wo er auf den an Position 1 gesetzten Andy Roddick traf. Wieder ging das Match über die volle Distanz, und obwohl Raonic schon zum zweiten Mal im Turnierverlauf über 30 Asse schlug, verlor er am Ende knapp gegen den Favoriten. Innerhalb nur eines Monats verbesserte er sich in der Weltrangliste um über 100 Plätze auf Rang 37.
Bei der Davis-Cup-Partie in Mexiko, die Anfang März 2011 auf Sandplatz ausgetragen wurde, hatte Raonic mit zwei Einzelsiegen sowie einem Doppelerfolg (mit Vasek Pospisil) erheblichen Anteil am 4:1-Sieg Kanadas. Zwei Wochen später zog er in Indian Wells durch einen erneuten Sieg über Mardy Fish erstmals in die dritte Runde eines Masters-Turniers ein, unterlag dort jedoch in einem engen Dreisatzmatch dem 18-jährigen Ryan Harrison. Im April 2011 erreichte Raonic beim Masters von Monte Carlo erstmals die dritte Runde eines Sandplatzturniers; gegen den späteren Finalisten David Ferrer war er jedoch wie schon bei den Australian Open chancenlos. Auch beim folgenden Sandplatzturnier in Barcelona erreichte er die dritte Runde. In Estoril stand er dann nach einem Dreisatzsieg über Gilles Simon erstmals im Halbfinale eines Sandplatzturniers. Dort traf er zum dritten Mal in dieser Saison auf Verdasco, er musste jedoch nach verlorenem ersten Satz wegen Rückenproblemen aufgeben. Anschließend begann er seine Vorbereitung auf Wimbledon beim Rasenturnier in Halle, wo er im Viertelfinale dem späteren Finalisten Philipp Petzschner unterlag.
In Wimbledon zog er sich in seiner Zweitrundenpartie gegen Gilles Müller bei einem Sturz eine Hüftverletzung zu, die eine Operation notwendig machte. Er musste danach mehrere Monate pausieren und verpasste so unter anderem den Rogers Cup in seiner Heimat Kanada sowie die US Open. Sein Comeback feierte er schließlich bei der Davis-Cup-Partie gegen Israel Mitte September 2011. Trotz seiner Niederlage gegen Amir Weintraub schaffte Kanada mit einem 3:2-Sieg erstmals seit acht Jahren wieder den Aufstieg in die Weltgruppe. In den letzten Wochen der Saison 2011 spielte Raonic noch fünf weitere ATP-Turniere. Sein bestes Ergebnis erzielte er dabei im Oktober 2011 in Stockholm, wo er im Halbfinale in drei Sätzen am späteren Turniersieger Gaël Monfils scheiterte. Er beendete seine bislang beste Saison trotz fast dreimonatiger Verletzungspause auf Rang 31 der Weltrangliste.
2012–2015: Weitere ATP-Titel und Vorstoß in die Top Ten
Das Jahr 2012 begann für Raonic in Chennai, wo er ohne Satzverlust ins Finale einzog. Dort traf er auf den topgesetzten Janko Tipsarević, gegen den er sich in einem Match ohne ein einziges Break knapp durchsetzen und den Titel gewinnen konnte. Raonic gab im gesamten Turnierverlauf kein einziges Mal seinen Aufschlag ab; dies war zuletzt Roger Federer bei seinem Titelgewinn 2008 in Halle geglückt. Bei den Australian Open schied er in der dritten Runde gegen Lokalmatador Lleyton Hewitt aus. Anfang Februar gewann Raonic bei der Davis-Cup-Begegnung gegen Frankreich sein erstes Einzel gegen Julien Benneteau, sein zweites gegen Jo-Wilfried Tsonga musste er jedoch verletzungsbedingt absagen; damit konnte er die 1:4-Niederlage Kanadas nicht verhindern. Trotz der Verletzung reiste er weiter nach San José, um dort seinen Titel zu verteidigen. Raonic gewann alle vier Partien ohne Satzverlust und mit einem Finalsieg über Denis Istomin seinen zweiten Titel der Saison 2012. Nur eine Woche später erreichte er auch in Memphis wie schon im Vorjahr das Finale, ging dort jedoch gegen Jürgen Melzer nach zwei engen Sätzen erneut als Verlierer vom Platz.
Beim ersten Masters-Turnier der Saison in Indian Wells traf Raonic in der dritten Runde auf den Weltranglistendritten Federer. Er gewann zwar den ersten Satz, verlor aber gegen den späteren Turniersieger noch in drei Sätzen. Im April 2012 besiegte er in Barcelona mit Andy Murray erstmals einen Spieler aus den Top 4, bevor er im Halbfinale in zwei Sätzen gegen David Ferrer verlor. In Madrid kam es danach zu einem erneuten Aufeinandertreffen mit Federer, und erneut musste sich Raonic dem späteren Turniersieger in drei Sätzen geschlagen geben.
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