Lance Armstrong
US-amerikanischer Radrennfahrer
Lance Edward Armstrong (* 18. September 1971 in Plano, Texas, als Lance Edward Gunderson) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Radrennfahrer und Triathlet.
Armstrong gewann im Alter von 21 Jahren die Profi-Straßenweltmeisterschaft 1993 in Oslo und ist damit der bisher jüngste Profi-Straßenweltmeister. Er erkrankte 1996 an Hodenkrebs, kehrte nach seiner Heilung 1998 in den Profiradsport zurück und gewann in den Jahren 1999 bis 2005 sieben Mal die Tour de France. Diese Siege wurden ihm später wegen Dopings wieder aberkannt. Nach seinem siebten Tour-de-France-Sieg erklärte er seinen Rücktritt vom Radsport, nahm seine Karriere jedoch im Jahr 2009 wieder auf, ohne an seine alten Leistungen anknüpfen zu können. Seine Radsportlaufbahn endete im Jahr 2011 endgültig. Er beteiligte sich anschließend bis in das Jahr 2012 erfolgreich an Triathlon-Wettbewerben. Zeitweise war der prominente Sportler und Volksheld in den USA auch für eine politische Karriere im Gespräch. Seine Biographie und seine sportlichen Erfolge verwertete er auch erfolgreich in einer Stiftung und politischen Initiativen, so für ein zentrales Krebsforschungszentrum in seinem Heimatstaat Texas.
Seine Karriere war stets von Dopinggerüchten begleitet, die zunahmen, nachdem mehrere seiner ehemaligen Teamkollegen Doping zugegeben und mit den Behörden kooperiert hatten. Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft gegen Armstrong wurden zwar Anfang 2012 eingestellt, mündeten aber in einem sportrechtlichen Verfahren der US-Antidopingagentur, die Armstrong letztlich mit Wirkung ab dem 1. August 1998 lebenslang sperrte. Diese Sperre wurde durch den Weltradsportverband UCI in seiner Entscheidung vom 22. Oktober 2012 übernommen, so dass Armstrong alle nach dem 1. August 1998 gewonnenen Titel, darunter die Gesamtsiege bei der Tour de France, verlor. Armstrong, der bis dahin Doping stets abgestritten hatte, gestand am 13. Januar 2013 in der US-amerikanischen Talkshow Oprah’s Next Chapter den Dopingmissbrauch als Radsportler.
Leben und Laufbahn
Jugend und Amateurzeit
Lance Armstrong wuchs in Plano auf, einem Vorort von Dallas, Texas. Sein leiblicher Vater verließ die Familie, als Lance zwei Jahre alt war – die beiden sind sich seither nie mehr persönlich begegnet. Seine Mutter Linda Mooneyham heiratete drei Jahre nach Lances Geburt Terry Armstrong, der ihn 1974 adoptierte. Das Verhältnis zwischen Stiefvater und Stiefsohn war nach Angaben Armstrongs schlecht. Er sei vom Stiefvater nicht nur hart, sondern auch gewalttätig „erzogen“ worden. Der Sport sei eine Möglichkeit gewesen, sich von ihm fernzuhalten.
Armstrong begann seine sportliche Karriere im Alter von 13 Jahren als Triathlet und bestritt als 16-Jähriger sein erstes Rennen in der Erwachsenenkategorie. 1988 wurde er in Wilkes-Barre Dritter bei der nationalen Meisterschaft auf der Triathlon-Kurzdistanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen). 1989 und 1990 wurde er nationaler Meister auf der Triathlon-Sprintdistanz.
Mit 17 Jahren erhielt er eine Einladung zu einem sechswöchigen Trainingslager der Junioren-Rad-Nationalmannschaft.
1991 gewann Lance Armstrong als Amateur den US-amerikanischen Meistertitel im Straßenrennen. 1992 belegte er bei den Olympischen Spielen in Barcelona den 14. Platz im Straßenrennen. Am 8. August 1992 wurde er beim Team Motorola Profi.
Erste Phase der Profikarriere: 1993–1996
Gleich bei seinem zweiten Rennen in Europa, der prestigeträchtigen Meisterschaft von Zürich, belegte Armstrong den zweiten Platz. Bei seiner ersten Teilnahme an der Tour de France 1993 gewann er eine Etappe, gab allerdings im Laufe der Rundfahrt auf. Im selben Jahr wurde er in Oslo im Alter von 21 Jahren als jüngster Fahrer aller Zeiten Profi-Straßenweltmeister. 1995 fuhr er erstmals die Tour zu Ende und gewann dabei erneut eine Etappe. Auf der Ziellinie streckte er dabei seine Arme aus und deutete mit dem Finger gen Himmel, um an den drei Tage zuvor tödlich verunglückten Mannschaftskollegen Fabio Casartelli zu erinnern. Der Amerikaner galt inzwischen als einer der besten Spezialisten für Eintagesrennen. So gewann er zum Beispiel die Clásica San Sebastián 1995 und den Flèche Wallonne 1996. Er wurde jedoch keineswegs als Bergfahrer oder potenzieller Sieger der Tour de France gehandelt.
Krebserkrankung
Am 2. Oktober 1996, nur kurz nach der Vertragsunterzeichnung bei Équipe Cofidis, wurde bei Armstrong Hodenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. So hatten sich bereits Lymphknotenmetastasen im Bauchraum sowie in der Lunge und zwei Tumoren im Gehirn gebildet. Zwei Operationen und eine vier Zyklen beinhaltende Chemotherapie schlossen sich an und die Krebserkrankung konnte schließlich erfolgreich behandelt werden. Der rechte Hoden musste operativ entfernt werden. Hätte Armstrong die übliche Chemotherapie PEB (Cisplatin, Etoposid und Bleomycin) gewählt, so wäre an eine Fortsetzung seiner Radsportkarriere nicht zu denken gewesen, da einer der Wirkstoffe eine Verringerung der Lungenkapazität bewirken kann. Aus diesem Grund entschloss sich Armstrong für die im Behandlungszeitraum wesentlich belastendere Chemotherapie VIP (Vincristin, Ifosfamid und Cisplatin), die jedoch keine negativen Auswirkungen auf seine langfristige Leistungsfähigkeit hatte.
Zweite Phase der Profikarriere: 1998–2005
Im Frühjahr 1998 kehrte Armstrong in den Radsport zurück. Inzwischen beim amerikanischen Team US Postal Service unter Vertrag, waren die ersten Monate nicht erfolgreich. Im Herbst 1998 stellten sich erste Erfolge ein. Nach dem Sieg bei der Luxemburg-Rundfahrt beendete er die Vuelta a España sensationell auf dem vierten Platz, was die bis dahin beste Platzierung des einstigen Klassikerspezialisten bei einer großen Rundfahrt bedeutete. Die Platzierung bei der Spanienrundfahrt wurde später, wie alle anderen Platzierungen Armstrongs nach dem 1. August 1998, aberkannt.
Armstrong gewann die Tour de France erstmals im Juli 1999, wobei er auch vier Etappensiege errang. Auf den Bergetappen und besonders im Einzelzeitfahren baute er seinen Vorsprung aus. Armstrongs Sieg wurde weltweit als das „Comeback des Jahrhunderts“ gefeiert.
Armstrong gewann die Tour auch in den Jahren 2000, 2001, 2002, 2003, 2004 und 2005. Im Rahmen seiner Tour-Vorbereitung gewann Armstrong einige renommierte Vorbereitungsrennen, so die Tour de Suisse 2001 und das Critérium du Dauphiné Libéré 2002 und 2003.
Seine im Jahr 2000 erschienene Autobiografie It’s Not About the Bike: My Journey Back to Life (deutsch: Tour des Lebens) wurde ein Bestseller. Er widmete sie vor allem seinem Kampf gegen den Krebs.
2004 gewann er die Tour de France zum sechsten Mal in Folge. Damit übertraf er die bisherigen Rekordhalter, die fünffachen Tour-de-France-Sieger Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault sowie Miguel Induráin. Induráin hatte vor Armstrong als einziger Fahrer fünf aufeinanderfolgende Siege (in den Jahren 1991 bis 1995) erzielt. Armstrong dominierte das Rennen: er gewann insgesamt fünf Etappen (drei davon in Folge) und hatte insgesamt mehr als sechs Minuten Vorsprung auf den Zweiten, Andreas Klöden. Die Art und Weise, mit der er bei jeder einzelnen Etappe um den Sieg kämpfte, sowie seine Überlegenheit brachten ihm Vergleiche mit Eddy Merckx ein.
Sein Verhalten im Rennen wurde kritisiert: So unterband Armstrong bei der Tour de France 2004 mehrfach die Ausreißversuche des für ihn im Gesamtklassement völlig ungefährlichen Fahrers Filippo Simeoni, der im Doping-Prozess gegen den beide Fahrer behandelnden Arzt Michele Ferrari ausgesagt hatte. Armstrong bezichtigte Simeoni der Lüge; beide standen sich in Verfahren wegen Verleumdung und Zeugeneinschüchterung gegenüber, die aber eingestellt wurden.
Ende 2004 zog sich das Unternehmen US Postal Service nach Kritik an seinem Sponsorengagement aus dem Profisport zurück. Das Sponsoring wurde von der Discovery Communications übernommen und nannte es Discovery Channel Pro Cycling Team. Armstrong gewann die Tour de France im Juli 2005 zum siebten Mal. Nach der Siegerehrung hielt er zum Abschluss seiner Karriere eine Rede, in der er allen dankte, die seine Siege möglich gemacht hatten. Er dankte auch Ivan Basso und Jan Ullrich, die neben ihm auf dem Podium standen, und sagte, er würde dem Radsport für immer als Fan erhalten bleiben. Armstrongs sportlicher Erfolg und sein Tour-Rekord galten als untrennbar verbunden mit seinem Sportlichen Leiter Johan Bruyneel und seinem Trainer Chris Carmichael.
Dritte Phase der Profikarriere: 2009–2011
Im September 2008 gab Armstrong bekannt, dass er ab der laufenden Saison 2009 in den professionellen Straßenradsport zurückkehren werde. Er kündigte in einer Videobotschaft an, dass er seinen ersten Giro d’Italia im Jahr 2009 fahren werde. Die Vorwürfe, dies lediglich als Vorbereitung auf die Tour de France zu sehen, wies er zurück. Die Teilnahme an seinem ersten Comebackrennen, der Tour Down Under 2009, sorgte im Nachhinein, aufgrund der Nichtteilnahme am UCI-Testpool (→Rolle des Weltradsportverbands) und der Zahlung hoher Startgelder (→Enthüllungen zur Tour Down Under 2009), für Kontroversen.
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