Gordon Banks
englischer Fußballspieler
Gordon Banks (* 30. Dezember 1937 in Sheffield; † 12. Februar 2019 in Stoke-on-Trent) war ein englischer Fußballtorwart. Er wurde von der Statistikervereinigung IFFHS zum weltweit zweitbesten Torhüter des 20. Jahrhunderts gewählt (nach Lew Jaschin, Sowjetunion). Sein größter Erfolg war 1966 der Gewinn der Fußball-WM im eigenen Land. Größere Bekanntheit erlangte „Banks of England“ vier Jahre später zudem durch eine erfolgreiche Parade gegen den brasilianischen Weltstar Pelé, die von der Weltfußballorganisation FIFA als eine der besten Rettungstaten in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften ausgezeichnet wurde. In der Fachwelt galt er in der Zeit von 1966 bis 1970 als bester Torwart der Welt.
Sportliche Laufbahn
Karrierebeginn
Der in Sheffield geborene Gordon Banks interessierte sich früh für die Spielweise der damals aktiven Torhüter und kam als Junge in einer einheimischen Mannschaft aus Bergarbeitern zum Einsatz. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er zunächst im Bergbau und später als Maurer.
Banks spielte fortan zunehmend in Jugendvereinsmannschaften und stieg schnell in die Reserveteams im Erwachsenenbereich auf. Er leistete dann seinen Wehrdienst bei der Fernmeldetruppe („Royal Corps of Signals“) der Britischen Rheinarmee. Während seiner Stationierung im niedersächsischen Langeleben spielte er für den SV Viktoria Königslutter. Er besuchte diesen Verein den Rest seines Lebens regelmäßig und war Ehrenmitglied des SV Viktoria Königslutter. Mit der Regimentsmannschaft gewann er den „Rhine Cup“. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach England bot ihm der Trainer des FC Chesterfield, Teddy Davison, einen Profivertrag an.
Banks erreichte 1956 mit dem FC Chesterfield das Endspiel des wohl wichtigsten englischen Nachwuchswettbewerbs FA Youth Cup und unterlag dort nach Hin- und Rückspiel gegen die berühmten „Busby Babes“ von Manchester United nur knapp mit 3:4 Toren. Im November 1958 debütierte Banks mit der Profimannschaft in der neu formierten Third Division, wechselte aber zum Saisonende – nach nur insgesamt 23 Einsätzen – für eine Ablösesumme von 7.000 britischen Pfund zum Erstligisten Leicester City.
Es folgte ein schneller Aufstieg; nach nur vier Spielen in der Ersatzmannschaft kam Banks zu seinem Einstand in der obersten englischen Spielklasse. Am 9. September 1959 ersetzte er beim 1:1 gegen den FC Blackpool erstmals den verletzten Dave McLaren und kam auch drei Tage später beim 2:0-Sieg gegen Newcastle United zum Einsatz. Zwar konnte McLaren nach seiner Genesung seinen Konkurrenten zunächst wieder auf die Ersatzbank verdrängen, aber die anschließenden 14 Gegentore in nur fünf Spielen sorgten dafür, dass Banks auf die Torhüterposition zurückkehrte und auch für den Rest der Spielzeit die erste Wahl seines Trainers bleiben sollte.
Mit Leicester City erreichte Banks 1961 nach einem Sieg gegen Sheffield United das FA-Cup-Endspiel im Wembley-Stadion. Es war die erste von insgesamt drei Finalteilnahmen des Vereins in den 1960er Jahren. Finalgegner war 1961 Tottenham Hotspur, das zu dieser Zeit den englischen Fußball dominierte und mit deutlichem Vorsprung die Meisterschaft gewonnen hatte. Obwohl Banks im Endspiel eine gute Leistung bot, stellte sich der verletzungsbedingte Ausfall des rechten Verteidigers Len Chalmers als eine zu große Schwächung heraus und die Spurs gewannen nach zwei Toren in der zweiten Halbzeit durch Bobby Smith und Terry Dyson den Pokal und somit das erste englische „Double“ des 20. Jahrhunderts.
Stammtorhüter der englischen Nationalmannschaft war zu dieser Zeit Ron Springett. Nach der WM 1962 in Chile leitete der neue Nationaltrainer Alf Ramsey jedoch zahlreiche Veränderungen ein. Im April 1963 kam der 25-jährige Banks gegen Schottland im Wembley-Stadion erstmals zum Einsatz. Obwohl England die Partie mit 1:2 verlor, wurde Banks’ Leistung in den Medien überwiegend positiv beurteilt und auch Ramsey äußerte sich sehr zufrieden. Banks stand in 13 der nächsten 15 Länderspiele im Tor, darunter auch bei einem 1:1 gegen den amtierenden Weltmeister Brasilien.
1963 stand Banks mit Leicester City wieder im FA-Cup-Endspiel, diesmal gegen Manchester United. Fünf Jahre nach dem Flugzeugunglück von München und dem Tod von acht „Busby Babes“ versuchte United mit der neu aufgebauten Mannschaft seinen ersten Titel zu gewinnen. Banks konnte einen Schuss von Bobby Charlton nicht festhalten und ermöglichte damit David Herd den Treffer zum 0:1 per Nachschuss. Auch beim 0:2 agierte Banks unglücklich, als ihn Denis Law mit einem Schuss auf dem falschen Fuß erwischte. Nachdem Leicester mit einem Kopfballtor von Ken Keyworth auf 1:2 verkürzen konnte, sorgte ein Fehler von Banks für den 1:3-Endstand. Banks griff sich eine von Johnny Giles in seinen Strafraum geschlagene Flanke, konnte den Ball aber nicht festhalten und ließ ihn direkt vor Herd fallen, der das dritte Tor für Manchester erzielte.
Seinen ersten Titel gewann Banks schließlich im Jahre 1964, als er mit seinem Team im Endspiel des Ligapokals nach Hin- und Rückspiel mit 4:3 Stoke City besiegte. Im folgenden Jahr misslang die Titelverteidigung, als einer 2:3-Hinspielniederlage gegen den FC Chelsea an der Stamford Bridge nur ein 0:0 an der heimischen Filbert Street folgte.
Das Weltmeisterschaftsjahr 1966
1965 war Banks unumstritten die erste Wahl auf der Position des englischen Nationaltorhüters und hatte ein Leistungsniveau erreicht, das für die folgenden rund sieben Jahre als „Form seines Lebens“ gelten kann. Seine Stärken lagen in einer außergewöhnlichen Beweglichkeit mit häufig spektakulären Paraden und in der genauen Beobachtung des Spiels, die es ihm ermöglichte, gegnerische Angriffszüge zu antizipieren, und zu einem nahezu fehlerlosen Stellungsspiel führte.
Mit Banks im Tor gewann England als Gastgeber die Gruppenphase mit einem 0:0-Remis gegen Uruguay und zwei 2:0-Siegen über Mexiko und Frankreich, bei denen Banks weitestgehend beschäftigungslos blieb. Die in den drei Partien ohne Gegentor sichtbare Stärke der Defensive zeigte sich auch in dem zeitweise unfairen Viertelfinalspiel gegen Argentinien, das durch einen Treffer von Geoff Hurst mit 1:0 gewonnen wurde.
Im Halbfinale gegen Portugal führte England nach zwei Toren von Bobby Charlton mit 2:0, bevor ein von Jack Charlton verschuldeter Elfmeter dafür sorgte, dass Banks durch den Treffer von Eusébio zum 1:2 erstmals in diesem Turnier bezwungen wurde.
Im Finale gegen Deutschland war England zunächst spielbestimmend, aber Banks kassierte das erste Tor in der Partie. Nach einem schwachen Kopfball von Ray Wilson erzielte Helmut Haller mit einem Rechtsschuss den Führungstreffer, wobei der platzierte – aber nicht sonderlich harte – Schuss durch ein Missverständnis zwischen Jack Charlton und Banks begünstigt wurde. Sechs Minuten später köpfte Hurst den Ausgleich, worauf in der zweiten Halbzeit der 2:1-Führungstreffer von Martin Peters folgte.
Nachdem sich Banks in der zweiten Hälfte lange nicht auszeichnen konnte, kam er durch einen Freistoß von Lothar Emmerich aus fast 30 Metern Entfernung wieder in das Zentrum der Ereignisse. Der Schuss prallte von der Mauer ab, der deutsche Abwehrspieler Wolfgang Weber rutschte am Fünfmeter-Raum in den Ball und erzielte kurz vor Spielende den Ausgleich zum 2:2. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit musste Banks noch eine große Chance von Siggi Held abwehren. Bei dem anschließenden Nachschuss von Uwe Seeler konnte er nicht eingreifen, der Schuss ging aber am Tor vorbei.
In der Verlängerung schoss Hurst das berühmte und umstrittene Wembley-Tor zum 3:2 (Endstand 4:2). Banks war in seinem 33. Länderspiel Fußball-Weltmeister geworden.
1966–1970
In Banks’ Verein Leicester City erregte zu dieser Zeit Peter Shilton Aufsehen, ein aufstrebender junger Torwart aus der Jugendabteilung, der im Mai 1966 im Alter von nur 16 Jahren seinen Einstand in der ersten Mannschaft gab. Schnell wurde deutlich, dass Shilton ein außergewöhnlicher Spieler sein würde, aber sein direkter Konkurrent war Gordon Banks, der zu diesem Zeitpunkt als der weltweit beste Torhüter galt. Als Shilton darauf bestand, einen Profivertrag nur zu unterschreiben, wenn ihm ein Stammplatz in der ersten Mannschaft zugesichert wurde, entschied sich die Vereinsführung überraschend dafür, Banks nur ein Jahr nach dem Weltmeistertitel die Freigabe für einen Wechsel zu erteilen. Banks wechselte daraufhin zu Stoke City und zog nach Madeley in Staffordshire.
In der englischen Nationalmannschaft blieb Banks die erste Wahl auf der Torhüterposition. Obwohl Ramsey gelegentlich auch Peter Bonetti vom FC Chelsea, Gordon West vom FC Everton oder Alex Stepney von Manchester United einsetzte, vertraute er in den wichtigen Spielen weiterhin auf seinen Weltmeistertorhüter. England erreichte mit Banks die Runde der letzten vier Mannschaften bei der EM 1968 und unterlag dort in Florenz gegen Jugoslawien. Im folgenden Jahr feierte Banks sein 50. Länderspiel mit einem 4:1 gegen die schottische Auswahl im Wembley-Stadion. Bis zum Beginn der WM 1970 in Mexiko, für die sich England als Titelverteidiger nicht qualifizieren musste, kam er in neun weiteren Partien zum Einsatz.
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