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Eurovision Song Contest 2016

Eurovision Song Contest 2016

61. Ausgabe des europäischen Musikwettbewerbs

7 min read

Der 61. Eurovision Song Contest fand vom 10. bis 14. Mai 2016 in der Globen Arena in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Die Stadt richtete nach 1975 und 2000 den Wettbewerb zum dritten Mal aus. Nachdem Måns Zelmerlöw mit dem Lied Heroes am 23. Mai 2015 den ESC 2015 in Wien gewonnen hatte, war die schwedische Rundfunkanstalt SVT mit der Ausrichtung der kommenden Veranstaltung beauftragt worden.

Den Wettbewerb gewann für die Ukraine Jamala mit dem Lied 1944, das die Sängerin mit Arthur Antonyan geschrieben hat; den zweiten Platz erreichte Australien.

Der Siegertitel ist eine Anspielung auf das Jahr, in dem Josef Stalin die Krimtataren nach Zentralasien deportieren ließ. Der Songtext ist in Englisch verfasst, der Refrain in Krimtatarisch. Die Ukraine nahm nach einer einjährigen Abwesenheit wieder teil, nachdem sie 2015 aus finanziellen Gründen und wegen des russischen Kriegs in der Ostukraine auf die Teilnahme verzichtet hatte.

Bei der EBU waren im Vorfeld zahlreiche Beschwerden, vor allem aus Russland, gegen das Lied eingegangen, da ESC-Beiträge laut Regelwerk keine politischen Statements enthalten dürfen. Die Gremien der EBU entschieden jedoch, dass 1944 die Regeln des Wettbewerbs nicht verletze. Das Lied sei geprüft worden und die Verantwortlichen zu dem Schluss gekommen, dass „der Titel und der Text keine politische Botschaft enthalten und dass der Song nicht im Widerspruch zu den Regeln des Wettbewerbs steht“. Der Song beschreibt ausführlich die Ereignisse von vor etwa 70 Jahren; die russische Annexion der Krim wird darin nicht direkt thematisiert.

Bosnien-Herzegowina kehrte nach dreijähriger Auszeit zurück, Kroatien und Bulgarien nach einer jeweils zweijährigen Pause. Portugal zog sich nach 2013 zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren vom Wettbewerb zurück. Rumänien war aufgrund unbeglichener Schulden disqualifiziert worden. Tschechien konnte erstmals in ein Finale des Eurovision Song Contest einziehen, während Griechenland und Bosnien-Herzegowina 2016 zum ersten Mal bereits im Halbfinale ausschieden. 2000 und 2016 sind die einzigen Jahre seit der Jahrtausendwende ohne griechischen Beitrag im Finale. 2016 war das dritte Jahr, in dem alle am Halbfinale teilnehmenden skandinavischen Länder ausschieden, im Gegensatz zu den vorherigen Malen waren es dieses Mal gleich vier Länder, womit das als Gastgeber vorqualifizierte Schweden als einziges skandinavisches Land im Finale vertreten war.

Den letzten Platz im Finale belegte wie im Vorjahr der Beitrag aus Deutschland, während der Vorjahres-Vorletzte Österreich Platz 13 erreichte. Die Schweiz war bereits wie im Vorjahr im zweiten Halbfinale als Letztplatzierte ausgeschieden.

Insgesamt 204 Millionen Zuschauer verfolgten den Eurovision Song Contest 2016, fünf Millionen mehr als im Vorjahr.

Austragungsort

Am 1. Juni 2015 stellte das schwedische Fernsehen einen Anforderungskatalog an die potenzielle Gastgeberstadt vor:

  • Die austragende Arena muss überdacht sein.
  • Im Umkreis des Austragungsortes müssen genügend Hotels und Hotelzimmer für den Zeitraum der Veranstaltung zur Verfügung stehen.
  • Der Austragungsort sollte Platz für mögliche Anbauten bieten.
  • Ein Presse-Center sollte auf dem Gelände Platz finden.
  • Der Austragungsort sollte vier bis sechs Wochen vor der Veranstaltung für den Bau der Bühne bereitstehen.
  • Die Gastgeberstadt sollte in der Nähe eines Verkehrsflughafens gelegen sein.

Folgende Arenen bewarben sich als Austragungsort:

Am 11. Juni 2015 zog die Malmö Arena ihre Bewerbung zurück, da sie für den Zeitraum der Veranstaltung schon für Konzerte gebucht war. Die Stadt Stockholm gab einen Tag später bekannt, dass sie sich mit der Globen City bewirbt. Der offizielle Einsendeschluss für eine Bewerbung um die Austragung des Eurovision Song Contest 2016 war der 13. Juni 2015. Eine Woche später begann der austragende Fernsehsender SVT die Bewerbungen zu sichten. Am 8. Juli 2015 wurde entschieden, dass der ESC 2016 im Stockholmer Globen ausgetragen wird. Die Halle war damit zum zweiten Mal Austragungsort des Wettbewerbs.

Am 8. Januar 2016 wurden weitere Veranstaltungsorte in Stockholm bekanntgegeben:

  • Die offizielle Eröffnungsfeier mit dem Empfang des Bürgermeisters fand im Rathaus der Stadt statt.
  • Der Euroclub, ein Nachtclub, in dem Partys für die Akkreditierten gegeben wurden, war ein temporärer Veranstaltungsort am Wasser vor dem königlichen Schloss.
  • Das Euro-Village, der offizielle Bereich für die Fans, befand sich im königlichen Garten.

Leitung und Gastgeber

Noch in der Nacht seines Sieges bekundete Måns Zelmerlöw sein Interesse, eine Rolle als Moderator übernehmen zu wollen.

Weiterhin sagte Christer Björkman am 25. Mai 2015, dass Petra Mede, Sanna Nielsen sowie Gina Dirawi und Dolph Lundgren mögliche Gastgeber sein könnten. Petra Mede hatte bereits den Eurovision Song Contest 2013 und gemeinsam mit Graham Norton Eurovision Greatest Hits moderiert. Sanna Nielsen trat 2014 für Schweden an und moderierte im Folgejahr die schwedische Vorentscheidung Melodifestivalen. Gina Dirawi moderierte 2012, 2013 und 2016 ebenfalls die schwedische Vorentscheidung. Am 14. Dezember 2015 gab SVT bekannt, dass Petra Mede und Måns Zelmerlöw den ESC moderieren werden.

Am 4. September 2015 wurde das Kernteam der Produktion des ESC bekanntgegeben:

  • Martin Österdahl und Johan Bernhagen – Executive Producer
  • Tobias Åberg – Head of Production
  • Christer Björkman – Contest Producer
  • Sven Stojanović – Show Producer
  • Lotta Loosme – Head of Communications
  • Sofi Franzén – Head of Events, City and Partners
  • Josephine Görander – Executive Assistant und Office Manager

Österdahl, Åberg und Björkman waren bereits 2013 an der Produktion des Wettbewerbs beteiligt, während Stojanović schon im Jahr 2000 sowie 2003 bis 2005 und 2008 Regisseur war.

Format

SVT diskutierte über eine eventuelle Verschiebung des Beginns der Veranstaltungen von 21 Uhr (MESZ) auf 20 Uhr (MESZ), um vor allem Familien mit Kindern die Möglichkeit zu bieten, die Sendungen komplett ansehen zu können. Weiterhin wollte man sich dem osteuropäischen Fernsehpublikum öffnen, wo der Eurovision Song Contest weitaus später beginnt. Diese Idee wurde allerdings nicht verwirklicht.

Zudem spielten die Big-5-Länder und der Gastgeber Schweden in den Halbfinals eine stärkere Rolle. In dem Halbfinale, in dem diese Länder stimmberechtigt waren, präsentierten sie ihr Lied außer Konkurrenz. Nach wie vor blieben sie aber für den Finalabend direkt qualifiziert.

Live-Shows

Vor jeder Live-TV-Show gab es zwei weitere Publikumshows. Am Tag vorher fanden die Juryshows statt, nach der die Länderjurys ihr Voting abgaben. Sie wurden aufgezeichnet und wären dann zum Einsatz gekommen, wenn es bei der Live-TV-Show zu einem Sendeausfall gekommen wäre. Die Familienshows am Nachmittag waren die letzten Durchläufe vor der Live-TV-Show. Ihr Name rührt daher, dass sie sich besonders für Familien mit Kindern eigneten, welche die Show live miterleben, aber nicht bis spät in die Nacht aufbleiben wollten.

Offizielles Album

Das offizielle Album mit allen 42 Liedern der Sendung wurde in deutschsprachigen Ländern wie folgt veröffentlicht:

  • 15. April 2016 – iTunes- und Google-Play-Store-Veröffentlichung
  • 15. April 2016 – Veröffentlichung auf allen anderen digitalen Plattformen
  • 22. April 2016 – Veröffentlichung als physische CD

Wegen der späten Disqualifizierung Rumäniens ist Moment of Silence auf allen Veröffentlichungen enthalten. Die offizielle DVD, welche die Aufzeichnungen der drei Liveshows sowie Bonusmaterial enthält, wurde am 17. Juni 2016 veröffentlicht.

Änderung der Punktevergabe

Am 18. Februar 2016 kündigte die EBU eine Änderung der Punktevergabe an. In diesem Jahr wurden die Punkte der Jurys und der Telefonabstimmung nicht pro Land kombiniert, sondern separat vergeben. Damit vergab jedes Land zweimal zwölf Punkte, also doppelt so viel wie seit 1975 üblich. Die Vertreter der Länder trugen nacheinander ausschließlich die 12 Punkte des bestplatzierten Liedes der Jury vor, die Punkte 1 bis 8 sowie die 10 Punkte wurden dabei, wie zum Teil schon in den Jahren zuvor, nur eingeblendet. Nachdem alle Punkte der Jury vergeben wurden, wurden alle Punkte aus dem Televoting aller Länder kombiniert. Die Moderatoren trugen dann diese kombinierten Punkte vor, beginnend mit dem Land, das die wenigsten Punkte von den Zuschauern bekommen hatte.

Nationale Jurys

Die nationalen Jurys vergaben die Hälfte aller Punkte beim Eurovision Song Contest. Dafür trafen sich die Mitglieder und sahen gemeinsam die Generalprobe der Shows. Jedes Mitglied erstellte daraufhin, basierend auf Stimme, Komposition und Originalität des Liedes, eine Rangliste aller Beiträge des Abends. Dabei sollte dies jeder unabhängig von den anderen tun. Alle Listen fertiggestellt, wurden sie von der EBU überprüft und in Punkte umgerechnet.

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