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Bud Spencer

Bud Spencer

italienischer Schauspieler, Leistungsschwimmer und Jurist (1929–2016)

7 min read

Bud Spencer (* 31. Oktober 1929 als Carlo Pedersoli in Neapel; † 27. Juni 2016 in Rom) war ein italienischer Film- und Fernsehschauspieler, Schwimmer, Wasserballspieler, Musiker, Komponist und Gründer der Fluglinie Mistral Air.

Er wurde ab Ende der 1960er-Jahre an der Seite von Terence Hill bekannt. Das Komikerduo trat in zahlreichen Abenteuer- und Western-Komödien mit ausgiebigen Prügelszenen und in einigen ernsteren Italowestern auf (Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Filme). Spencer spielte meist den dickköpfigen, phlegmatischen, aber gutherzigen Charakter, der seine Gegner schlagkräftig außer Gefecht setzte.

Vor seiner Schauspielkarriere war er im Schwimmsport erfolgreich. So schwamm er als erster Italiener 100 Meter Freistil in unter einer Minute, gewann zehn Jahre in Folge in verschiedenen Disziplinen italienische Schwimmmeisterschaften und war Mitglied der italienischen Wasserballnationalmannschaft. 1952 und 1956 nahm er an den Olympischen Spielen in Helsinki bzw. in Melbourne teil.

Leben

Jugend und Ausbildung

Carlo Pedersoli wurde 1929 in Neapel als Sohn des Industriellen Alessandro Pedersoli geboren. 1937 begann er in einem örtlichen Schwimmverein mit dem Schwimmsport. 1940 zog die Familie nach Rom, wo Pedersoli, nachdem er zwei Schulklassen übersprungen hatte, 1946 ein Studium der Chemie an einer römischen Universität begann. Während des Zweiten Weltkriegs entkam er bei einem Luftangriff auf San Lorenzo knapp dem Tod.

Da seine Familie ein Jahr später nach Südamerika umzog, musste er das Studium abbrechen. In Südamerika arbeitete er als Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro, als Bibliothekar in Buenos Aires und als Sekretär in der italienischen Botschaft in Montevideo. 1948 kehrte der 19-Jährige nach Italien zurück und schrieb sich als Student der Rechtswissenschaften ein. 1957 schloss er sein Jurastudium nach sechs Semestern ab. Spencer gab 2011 an, er habe Arzt oder Rechtsanwalt werden wollen, aber dazu sei es wegen seiner vielen anderen Aktivitäten nicht gekommen.

Schwimmkarriere und erste Filmrollen

Auch während seines Studiums blieb seine Leidenschaft für das Schwimmen erhalten und er war Mitglied der italienischen Wasserballnationalmannschaft. Er wurde italienischer Meister über 100 Meter Freistil, die er am 19. September 1950 als erster Italiener unter einer Minute schwamm. Die italienische Meisterschaft gewann er von 1947 bis 1957 zehn Jahre in Folge: drei Jahre lang im Brustschwimmen, sieben Jahre im Freistil.

1950 hatte er seine erste Statistenrolle als Prätorianer in Kaiser Neros Garde im Monumentalfilm Quo Vadis. Es folgten weitere Kleinrollen in italienischen Produktionen: Siluri umani (1954, deutscher Titel: Torpedomänner greifen an), Un Eroe dei nostri tempi (1955, deutscher Titel: Ein Held unserer Tage), Il Cocco di mamma (1957, deutscher Titel: In einem anderen Land).

1951 nahm er an den Mittelmeerspielen teil und gewann mit 59,7 s die Silbermedaille über 100 Meter Freistil. 1952 nahm er an den Olympischen Spielen in Helsinki teil und wurde bei den Schwimmwettbewerben mit 58,9 s Fünfter im Vorlauf über 100 Meter Freistil. Mit der italienischen 4-mal-200-Meter-Freistilstaffel verpasste er das Finale. Er wurde wegen seiner sportlichen Erfolge mit anderen begabten Sportlern von der Universität Yale eingeladen und verbrachte einige Monate in den USA. Dort erst lernte er die Rollwende, die er bis dahin gar nicht kannte – es gab keine kompetente Unterstützung von außen. Wegen dieses Mangels musste Pedersoli viel selber experimentieren und entwickelte später eine spezielle Kraultechnik, bei der, um die Reichweite zu erhöhen, der Arm beim Nach-Vorne-Greifen im Ellbogen gestreckt ist.

Bei den Mittelmeerspielen 1955 gewann er mit der italienischen Wasserballnationalmannschaft eine Goldmedaille. 1956 nahm er an den Olympischen Spielen in Melbourne teil und erreichte über 100 Meter Freistil den 11. Platz. 1957 beendete er mit 28 Jahren seine Schwimmkarriere und ließ sich zum zweiten Mal in Südamerika nieder. Er sagte damals: „Denn kommt der Ruhm zu schnell, steigt er einem leicht zu Kopf. Bei mir war es kurz davor.“ Er kritisierte auch mehrmals Vorgänge im Spitzensport: Den Wettkampf als Krieg, in dem nur noch der Sieg zählt; die Fußballer, wie Halbgötter verehrt, die sich alles erlauben können, und die Gleichgültigkeit der Fans, ob ihre Leistung sauber erzielt wurde.

Familiengründung und Wirken in der Musikbranche

In seiner Biografie schilderte er, dass er in seinem hohen Bekanntheitsgrad in Italien eine Gefahr sah, da ein Ex-Champion zwar stets wohlwollende Menschen finde, jedoch dabei riskiere, jemand zu werden, der nur noch von Erinnerungen lebe. Das sei ein wichtiger Grund gewesen, warum er nach Südamerika gezogen sei.

Neun Monate arbeitete er als Vorarbeiter im Fuhrpark beim Bau der Panamericana, anschließend für Alfa Romeo in Caracas. Die Beziehung mit seiner Freundin Maria Amato, der Tochter des Filmproduzenten Giuseppe Amato, hielt er durch Briefwechsel aufrecht. 1960 kehrte er nach Rom zurück und heiratete sie. 1961 wurde ihr gemeinsamer Sohn Giuseppe Pedersoli geboren, ein Jahr später die erste Tochter. 1970 folgte eine zweite Tochter: Diamante.

1959 wirkte er in einer kleinen Rolle im Monumentalfilm Hannibal mit, in dem auch sein späterer Filmpartner Terence Hill eine Rolle spielte. Zwischen 1960 und 1964 arbeitete Pedersoli hauptsächlich als Komponist für die italienische Plattenfirma RCA. Er komponierte neapolitanische Lieder und Lieder für Schlagersängerinnen wie Rita Pavone. Er tourte mit selbstkomponierten Liedern auch durch verschiedene Nachtclubs und begleitete sich dabei auf der Gitarre. 1964 kündigte er seinen Vertrag mit RCA, zudem starb sein Schwiegervater Giuseppe Amato, einer der größten Filmproduzenten Italiens (Das süße Leben, 1960 von Federico Fellini). 1965 gründete Pedersoli eine eigene Produktionsgesellschaft, die Tierdokumentarfilme für das italienische RAI-Fernsehen produzierte.

Bud Spencer als Pseudonym

1967 bekam er ein Filmangebot vom Regisseur und Bekannten seiner Frau Giuseppe Colizzi für den Italowestern Gott vergibt – Django nie! Dieser Film war der Beginn des Komikerduos Bud Spencer und Terence Hill, der als Ersatz für den ursprünglich geplanten Peter Martell einsprang, der sich am Abend vor dem Drehbeginn den Fuß gebrochen hatte. Bei dem Film handelt es sich noch um einen „ernsthaften“ Western.

Er wurde, nachdem später die ersten Westernkomödien der beiden erfolgreich gewesen waren, neu aufgelegt, indem man ihn mit lockeren Sprüchen angereichert synchronisierte und in Zwei vom Affen gebissen umbenannte. Da der Film teilweise zu brutal war, wurde diese Fassung um rund 13 Minuten gekürzt und bekam eine FSK-16-Freigabe. Auf diese Weise wurde der Film noch einmal ins Kino gebracht. Auch der Folgewestern Hügel der blutigen Stiefel wurde nach diesem Prinzip „aufgearbeitet“ und als Zwei hau’n auf den Putz nochmals veröffentlicht.

Beide Schauspieler nahmen englische Künstlernamen an, da diese sich zur damaligen Zeit besser vermarkten ließen und Pedersoli seinen bekannten Namen nicht ins Lächerliche ziehen wollte. „Als ich kurz vor dem Dreh zu meinem ersten Film stand, wollte ich einen anderen Namen tragen, als den des ehrenwerten Carlo Pedersoli, der als Sportler schon bekannt war.“ Sein Kollege Mario Girotti, den er bereits seit vielen Jahren aus einem Schwimmverein in Rom kannte, wählte aus einer Liste den Namen Terence Hill. Pedersoli erzählte über seinen eigenen, kurz vor Drehbeginn entstandenen Künstlernamen: „Ich hatte keine Liste! Ich hatte eine Flasche Budweiser-Bier – mein Lieblingsbier – vor mir. Und Spencer Tracy war immer mein Lieblingsschauspieler, also war meine Wahl ganz einfach!“

Karrierehöhepunkt: 1970er und 1980er Jahre

Die 1970er Jahre entwickelten sich zum Siegeszug für das erfolgreiche europäische Filmteam. Der Durchbruch kam mit Die rechte und die linke Hand des Teufels (Originaltitel: Lo chiamavano Trinità, 1970) und besonders mit der Fortsetzung Vier Fäuste für ein Halleluja (… continuavano a chiamarlo Trinità, 1971, in der DDR mit dem Titel Der Kleine und der müde Joe). Mit rund zwölf Millionen Zuschauern ist dieser „Prügel-Western“ einer der erfolgreichsten Filme, die je in den deutschen Kinos liefen.

Das neue Genre der „Hau-drauf-Komödie“ war geboren. Die Komödien mit lockeren Sprüchen, die in der deutschen Synchronisation zu einem großen Teil dem Dialogautor Rainer Brandt zu verdanken sind, und den lustig inszenierten Schlägereien machten das Duo weltbekannt.

Häufig eingesetzt wurde die beidhändige Doppelbackpfeife und der senkrechte Schlag mit der Faust auf den Kopf („Dampfhammer“), mit denen Bud Spencer seine Gegner niederstreckte. Bei den Aufnahmen der Prügelszenen kam es wegen Spencers Kurzsichtigkeit gelegentlich zu echten Treffern. Das Duo wurde mit Laurel und Hardy verglichen, und Spencer bezeichnete Charlie Chaplin als wichtiges Vorbild.

Zusätzlich spielte das Essen in Form von oft lautmalerischen Fressorgien eine zentrale Rolle in vielen Filmen des Genussmenschen Spencer. Die Zeit attestierte ihm eine kindliche „Lust an der Missachtung jeglicher Etikette und Manierlichkeit“. Im Unterschied zu Hill fastete er vor diesen Szenen nicht.

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