Bobby Charlton
englischer Fußballspieler und trainer
Sir Robert „Bobby“ Charlton CBE (* 11. Oktober 1937 in Ashington, Northumberland; † 21. Oktober 2023) war ein englischer Fußballspieler. Er war Teil der Weltmeistermannschaft, die 1966 den Titel im eigenen Land gewann, und wurde im selben Jahr mit dem Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Er war während seiner nahezu gesamten Karriere für den Verein Manchester United aktiv, wo er als offensiver Mittelfeldspieler neben seinen Vorstößen in das Angriffszentrum auch durch seine Weitschusstore berühmt wurde.
Bereits im Jahre 1956 kam Charlton in der Profimannschaft von Manchester United zu seinem Einstand und erarbeitete sich in den beiden folgenden Spielzeiten einen Stammplatz. Während dieser Zeit war er einer der Überlebenden der Flugzeugkatastrophe, der 1958 in München acht seiner Mitspieler zum Opfer gefallen waren. Nach dem Gewinn der Meisterschaft in der Saison 1964/65 wurde er im folgenden Jahr Fußballweltmeister. Im Anschluss an eine weitere Meisterschaft im Jahr 1967 führte er in der Saison 1967/68 seine Mannschaft als Kapitän zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister, wobei er im Endspiel zwei Treffer beisteuerte. Er hat hinter Wayne Rooney die meisten Tore für Manchester United geschossen und nach Ryan Giggs die meisten Pflichtspiele in der Vereinsgeschichte von Manchester United absolviert. Von 1970 bis 2015 war er alleiniger Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft. Sein Rekord von 49 Toren wurde von Wayne Rooney am 5. September eingestellt. Er wird heute von vielen Experten als einer der besten Fußballspieler der Geschichte angesehen.
Nach seiner Ära bei Manchester United agierte er ab 1973 noch kurzzeitig als Spielertrainer bei dem Klub Preston North End, zog sich von dort aber bereits nach nur einer Spielzeit wieder zurück. Er schloss sich nach einem kurzzeitigen Engagement bei Wigan Athletic 1984 der Vereinsführung seines früheren Vereins in Manchester an, wo er jahrzehntelang in repräsentativen Funktionen aktiv war.
Sportliche Laufbahn
Frühzeit seiner Karriere
Obwohl sein Onkel Jackie Milburn ein erfolgreicher Mittelstürmer bei Newcastle United gewesen war, war Mutter Cissie die erste Person im Leben von Bobby Charlton, die ihm den Fußballsport näher brachte und zu seiner Trainerin wurde. Sein älterer Bruder Jack betätigte sich früh als Bergarbeiter und bewarb sich für eine Laufbahn zum Polizisten, bevor er sich dem Fußball zuwendete.
Am 9. Februar 1953 fiel Charlton dem Talentscout von Manchester United – Joe Armstrong – auf, als er bei einem Spiel seiner East-Northumberland-Schule zum Einsatz kam. Später spielte er in der englischen Schülernationalmannschaft und schloss sich im Alter von 15 Jahren United an, obwohl ihm auch Angebote von zahlreichen anderen Vereinen vorgelegen hatten. Dabei stand seine Mutter der unsicheren Perspektive einer Fußballerkarriere zunächst skeptisch gegenüber, so dass er anfänglich eine Techniker-Ausbildung begann. Im Oktober 1954 wagte er dennoch den riskanten Schritt und wurde Profispieler.
Charlton wurde zu einem Bestandteil der berühmten „Busby Babes“, womit eine Generation von hochtalentierten jungen Spielern bezeichnet wurde, die aus der Nachwuchsabteilung von Manchester United der 1940er und 1950er Jahre entstammte, die selbst wiederum federführend von Trainer Matt Busby nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Rahmen einer grundlegenden Vereinsumstrukturierung ins Leben gerufen worden war. Innerhalb dieses Systems arbeitete sich Charlton als Torjäger der Jugendmannschaft über das Reserveteam, bis er schließlich im Oktober 1956 zu seinem ersten Spiel in der ersten Mannschaft gegen Charlton Athletic kam. Zu dieser Zeit leistete er den Zivildienst und später den Wehrdienst in Shrewsbury – im zuletzt genannten Fall gemeinsam mit seinem Mannschaftskollegen Duncan Edwards – ab, wobei er bei der Wahl des Standorts dem Rat von Busby gefolgt war, da er so an den Wochenenden weiter in der Lage sein sollte, für seinen Verein zu spielen.
Durchbruch bei Manchester United
Während seiner ersten Saison kam Charlton in 14 Spielen für Manchester zum Einsatz. Dabei gewann er auf Anhieb die englische Meisterschaft, verpasste aber nach einer – durch unglückliche Umstände entstandenen – Finalniederlage im FA Cup mit seiner Mannschaft das erste Double eines englischen Vereins im 20. Jahrhundert. Der gerade einmal 19-jährige Charlton wurde in dem Endspiel eingesetzt, in dem Uniteds Torhüter Ray Wood nach einem Zusammenprall mit dem Stürmer von Aston Villa – Peter McParland – mit einem gebrochenen Kiefer das Spielfeld verlassen musste. Obwohl Charlton als möglicher Ersatz für Wood gegolten hatte – zu dieser Zeit waren Auswechselungen noch nicht erlaubt – absolvierte stattdessen Jackie Blanchflower die restliche Partie als Torwart.
Charlton war gleichzeitig in seiner ersten Saison Bestandteil des ersten englisches Teams, das im Europapokal der Landesmeister spielte (zuvor hat der heimische Fußballverband FA dem Wettbewerb skeptisch gegenübergestanden). Dort erreichte Manchester United das Halbfinale, in dem jedoch Real Madrid als Sieger nach Hin- und Rückspiel ins Endspiel einzog. Nach der Titelverteidigung in der englischen Meisterschaft in der Saison 1956/57 erreichte Charlton mit United im Europapokal erneut das Viertelfinale und musste dort gegen Roter Stern Belgrad antreten. Einem 2:1-Heimsieg in der ersten Partie folgte in Jugoslawien – nach zwei Toren von Bobby Charlton – eine zwischenzeitliche 3:0-Führung. Obwohl die Mannschaft aus Belgrad zu einem 3:3-Remis ausgeglichen hatte, hatte sich United nach Addition der beiden Ergebnisse für das Halbfinale qualifiziert und trat in entsprechend siegesfroher Stimmung den Heimflug an.
Die Katastrophe von München
Das aus Zemun startende und mit den United-Spielern sowie dem Vereinsstab besetzte Flugzeug musste im winterlichen München neu betankt werden. Obwohl sich die Wetterverhältnisse stetig verschlechterten, setzte man nach Ende des Tankvorgangs zum erneuten Abflug an, der zweimal abgebrochen wurde und dazu führte, dass die Passagiere erneut das Flugzeug verlassen mussten, um einen technischen Defekt zu beheben.
Nach bereits zehn Minuten wurden die Passagiere erneut zum Besteigen des Flugzeugs aufgefordert. In der aufkommenden Nervosität entschieden sich Tommy Taylor und David Pegg dafür, einen vermeintlich sicheren Platz im hinteren Teil zu suchen und tauschten dazu mit Charlton und seinem Mannschaftskameraden Dennis Viollet ihre Sitzgelegenheiten, was sich nur kurze Zeit später als eine fatale Entscheidung für Taylor und Pegg herausstellte.
Beim nächsten Abflugversuch durchbrach das Flugzeug am Ende der Start- und Landebahn die Zaunbegrenzung. Ein Flügel durchriss dabei ein nahestehendes Haus, setzte es in Brand und fiel mit einem Teil des Hecks zu Boden, wo ein Baum und eine Holzhütte getroffen wurde. Der in seinem Sitz angeschnallte Charlton fiel aus der Kabine und der durch glückliche Umstände völlig unverletzte Torhüter Harry Gregg, der alleine Rettungsmaßnahmen durchführte, glaubte zunächst, dass Charlton nicht überlebt hatte. Spontan zog ihn Gregg gemeinsam mit Viollet aus der Gefahrenzone, in ständiger Angst, das Flugzeug könnte explodieren. Als Gregg zum Unfallort zurückkehrte, um den sehr schwer verletzten Busby und Blanchflower zu helfen, kamen Charlton und Viollet zu sich und befreiten sich aus ihren Sitzen.
Charlton erlitt einige Schnittverletzungen am Kopf und musste vor allem aufgrund eines schweren Schocks eine Woche im Krankenhaus verbringen. Acht seiner Mannschaftskameraden fielen der Katastrophe zum Opfer: Tommy Taylor und David Pegg, mit denen er noch – gemeinsam mit Dennis Viollet – die Plätze getauscht hatte, Mannschaftskapitän Roger Byrne sowie Mark Jones, Billy Whelan, Eddie Colman und Geoff Bent. Duncan Edwards erlag zwei Wochen nach dem Unglück seinen Verletzungen. Insgesamt hatte der Absturz 23 Opfer gefordert. Als Ursache wurde lange Zeit die verstärke Eisbildung auf den Tragflächen verantwortlich gemacht, was nach einer späteren Untersuchung revidiert werden musste; offenbar hatte der Schneematsch auf der Startbahn ein sicheres Abheben des Flugzeugs nahezu unmöglich gemacht.
Charlton konnte als erster Überlebender das Krankenhaus verlassen und kehrte acht Tage nach dem Unglück am 14. Februar 1958 nach Manchester zurück. Während seiner Genesungszeit spielte er ein wenig mit Jugendmannschaften in seiner Gegend. Obwohl er erst 20 Jahre alt war, beförderten ihn die Ereignisse von München ruckartig zu einem großen Hoffnungsträger beim vollständigen Neuaufbau einer Mannschaft, die Busby für den Rest der Spielzeit zusammenzustellen versuchte.
Erwartungsgemäß unterlag die dezimierte Mannschaft im Europapokal-Halbfinale gegen die AC Mailand mit insgesamt 2:5 Toren nach Hin- und Rückspiel und fiel zudem in der englischen Meisterschaft weiter zurück. Dennoch gelang es der Mannschaft, wie im Vorjahr ins FA-Cup-Endspiel einzuziehen. Sie wurde im Wembley-Stadion erstmals wieder von Busby betreut. Trotz einer großen Sympathiewelle, die dem United-Team durch das ganze Land zuteilwurde, gewannen dort die Bolton Wanderers – nach zwei Toren von Nat Lofthouse – mit 2:0.
Content sourced from Wikipedia under CC BY-SA 4.0