Blade Runner 2049
Film von Denis Villeneuve (2017)
Blade Runner 2049 ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2017 und die Fortsetzung von Blade Runner (1982). Regie führte Denis Villeneuve. Die Kamera übernahm Roger Deakins. In der Hauptrolle ist Ryan Gosling zu sehen, während Harrison Ford erneut die Rolle des Rick Deckard spielt. Ridley Scott, der beim Originalfilm Regie führte, fungiert als Executive Producer und wirkte an der Story mit. Der Film startete am 5. Oktober 2017 in den deutschen und am darauffolgenden Tag in den US-Kinos.
Handlung
Das Los Angeles des Jahres 2049 wird nicht nur von Menschen, sondern auch von Hologrammen und künstlichen Menschen, den sogenannten Replikanten, bewohnt, die den Menschen jedoch nicht mehr als Sklaven dienen, wie noch Jahre zuvor. Der neue bioidentische Replikantentyp Nexus 9, der von der Wallace Corporation einige Jahre zuvor auf den Markt gebracht worden ist, hegt keinerlei Groll mehr gegen seine Erbauer. Er tut seinen Dienst nur so lange, bis seine programmierte Lebenszeit abgelaufen ist, und stirbt dann. Da die Ökosysteme zusammengebrochen sind und es keine echten Tiere und keine Pflanzen mehr gibt, werden in weitläufigen Gewächshäusern vor der Stadt proteinreiche Käferlarven gezüchtet, von denen sich die Menschen ernähren.
Auch wenn das Replikantenproblem der Vergangenheit weitgehend gelöst zu sein scheint, gibt es noch Replikanten-Jäger wie Officer K vom Los Angeles Police Department, der selbst ein besonders hochentwickelter Replikant ist und dessen Aufgabe es ist, im Verborgenen lebende Replikanten aufzuspüren, die wegen ihrer unbegrenzten Lebensdauer aus der Produktion genommen wurden, um diese „in den Ruhestand zu versetzen“, also zu töten.
Officer K bewohnt ein kleines Apartment und wird von seinen Nachbarn als Skinner nur wenig geschätzt. Entspannen kann er sich dank Joi, seiner holografischen Gespielin, die sich ihm in ständig wechselnden Outfits präsentiert, ihm abends Trost spendet und ein virtuelles Abendessen serviert. Eines Tages macht er ihr einen sogenannten Emanator zum Geschenk, mit dem sie die vier Wände zum ersten Mal verlassen kann. Mit Hilfe des Geräts spürt sie auf dem Dach des Hauses erstmals Regen auf ihrer holografischen Haut. Officer K teilt seine Geheimnisse mit Joi, und sie bemüht sich umgekehrt im Rahmen ihrer Algorithmen, ihm eine echte Freundin zu sein. Doch sie kann ihm nicht für seine sexuellen Wünsche zur Verfügung stehen, weshalb sie eine Prostituierte für ihn anheuert.
Auf dem Grundstück des von Officer K getöteten Protein-Farmers Sapper Morton, an dessen Papiere er über einen Tipp gekommen ist, wird eine Kiste ausgegraben, die die Knochen einer Frau enthält. Niander Wallace, der die Tyrell Corporation nach ihrem Konkurs übernommen hat, wird auf diesen Fund aufmerksam. Die Überreste weisen einerseits eine Seriennummer auf, andererseits verraten sie, dass die Replikantin vor dreißig Jahren ein Baby entbunden hat und dabei gestorben ist. Dem Geschäftsmann Niander Wallace fehlt eine solche gebärfähige Replikantin noch in der Produktpalette.
Officer Ks Vorgesetzte Lieutenant Joshi, genannt „Madam“, ist über die Nachricht von diesem Fund besorgt. Sie glaubt, dass ein solches Kind einen Krieg oder ein Massaker auslösen könnte, wenn mit der Gebärfähigkeit der letzte Vorsprung der Menschen gegenüber den Replikanten verloren wäre. Officer K soll daher das Kind finden und eliminieren. Seine Suche führt ihn aus Los Angeles heraus, erst nach San Diego, das als riesige Müllkippe dient, dann zur geheimnisvollen Erinnerungskonstrukteurin Dr. Ana Stelline und schließlich nach Las Vegas. Das ehemalige Vergnügungsparadies liegt nach einem Atomkrieg und mehreren Nuklearunfällen inmitten eines radioaktiv verseuchten Sperrgebiets. Ein Blackout hat vor Jahren sämtliche elektronischen Daten gelöscht und damit auch einen großen Teil der kollektiven Erinnerung der Menschheit.
In der Geisterstadt trifft er Rick Deckard, der einst selbst ein Blade Runner war, nun aber ein Gejagter ist wie alle anderen Renegaten. Deckard versteckt sich dort seit 30 Jahren in einem alten Casino. Bei der toten Replikantin handelte es sich um Rachael, die mit Rick Deckard viele Jahre zuvor vor den Killern der Tyrell Corporation geflohen war. Officer K glaubt nach seinem Besuch bei Dr. Stelline, dass er das von Rachael geborene Kind ist.
Luv, die Assistentin von Niander Wallace, die ebenfalls eine Replikantin ist, macht Officer K in Las Vegas ausfindig, überwältigt ihn im Kampf und bringt Deckard zu Wallace. Währenddessen wird Officer K, der sich Deckard als Joe vorgestellt hat, von einer geheimnisvollen Gruppe geborgen: Unter der Führung von Freysa ist es einigen Replikanten gelungen, sich zum Widerstand zu formieren. Sie verlangen von Joe bzw. Officer K, Deckard zu töten, damit dieser sie nicht an Wallace verraten könne. Zur gleichen Zeit wird Deckard von Wallace verhört; als Tausch für die Information, wo sich sein Kind aufhält, bietet ihm Wallace eine Replik von Rachael an. Als Deckard ablehnt, tötet Luv die neue Rachael.
Deckard wird abgeführt und es kommt zum finalen Duell zwischen Joe und Luv. Joe gelingt es schließlich, Luv zu töten. Anschließend führt er Deckard zum Haus seiner Tochter, die dieser nie kennenlernte. Es handelt sich um Dr. Ana Stelline. Joes vermeintliche Kindheitserinnerungen stammen in Wirklichkeit von ihr. Joe, im Kampf mit Luv schwer verletzt, bleibt außerhalb des Gebäudes im Schneetreiben liegen.
Themen und Motive
Mensch und Parallelschöpfung
Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt, die Fragen, die sich im Film auftun, lägen auf dem Tisch: „Was unterscheidet die Menschen von den Maschinen? Von den Maschinen, die inzwischen aussehen wie sie, die bluten wie sie, auch wenn ihre Wunden schneller heilen, die sterben wie sie, auch wenn es länger dauert, und die sich an ihren, der Menschen, Erinnerungen, die ihnen implantiert wurden, festhalten, wenn sie innerlich verlorenzugehen drohen?“ Blade Runner 2049 erzähle davon, was menschlich sein bedeutet und dass es dafür weder Vater noch Mutter brauche, jedoch die Sehnsucht danach, einmal Kind gewesen zu sein, und halte dabei die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen fließend: „Menschlichkeit, um die es hier geht, braucht mehr als biologische oder künstliche Gene. Sie braucht den Wunsch nach Transzendenz. Sie braucht den Blick auf die Welt, der ein kümmerliches Blümchen in einem Feld aus Asche für ein Zeichen von Hoffnung hält. Und in ein paar Schneeflocken auf der Haut die Schönheit der Erde erkennt.“ Es gebe in dem Film keinen biologischen Menschen, auf den eines dieser Dinge zutreffe, so Lueken.
Auch für Georg Seeßlen von Zeit Online ist die Hauptfrage, mit der sich der Film auseinandersetzt, die Parallelschöpfung des künstlichen Menschen. Blade Runner 2049 werde hierbei zum Umkehrbild des Vorläufers, was die Frage von „Echtheit“ und „Replikanz“ des Menschen anbelangt: „Da im Übrigen Replikanten keine Maschinen sind, sondern eine genetisch-organische Parallelschöpfung komplett mit ‚künstlichen Erinnerungen‘ und mit Gefühlen […], ist die Frage nach ihrer technischen Herstellung eher müßig. Der Replikant ist der an seiner Uneigentlichkeit und Versklavung, an seiner Fremdbestimmung und Unvollständigkeit leidende Mensch.“
Der Film lässt wie bereits der Vorgänger offen, ob es sich bei Deckard um einen Menschen oder Replikanten handelt, was wiederum die Frage offen lässt, ob es sich bei Rachaels Kind um einen Hybriden handelt oder aber um ein von zwei Replikanten gezeugtes Kind. Villeneuve sagte hierzu: „Ich liebe Geheimnisse. Daher denke ich, so wie es ist, ist es viel interessanter, als die Frage zu beantworten.“ Auch in der Huffington Post sagte Villeneuve, er wolle diese Frage nicht beantworten und zitiert Ford, der glaubte, in Bezug auf die Vergangenheit seien sie mit der gebotenen Sorgfalt vorgegangen. Abraham Riesman von Vulture sagt, der Umstand, dass Deckard 30 Jahre überleben konnte, wäre für ein Nexus-6-Modell mit einer begrenzten Lebensdauer ein großer Sprung gewesen. Zudem sei Deckard auch gealtert, was nicht zum Slogan der Tyrell Corporation passen würde, ihre Replikanten seien „menschlicher als menschlich“.
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